"Die Frage ist doch, wohin mit den Menschen".

16.10.2008 16:14

© Neue Deister-Zeitung/Springe
Angekündigte Aufenthaltsverbote an der Fünfhausenstraße sorgen für Hoffnung und Unverständnis.

Springe (kata). "Ich wäre wirklich froh, wenn die nicht mehr hier wären", sagt Kioskbetreiber Zedi Osmani. Bürgermeister Jörg-Roger Hische hat angekündigt, nebenan an der Bushaltestelle Fünfhausenstraße ein Aufenthaltsverbot gegen eine Gruppe aus dem Obdachlosen-Milieu aussprechen zu wollen. Auf diese Weise will die Stadt gegen Vandalismus und Verunreinigung vorgehen (NDZ berichtete).

Immer wieder sei er mit der Gruppe aneinandergeraten, erzählt der Pächter. "Ich werde von ihnen beschimpft, sie schlagen gegen die Fenster und rütteln an der Tür", klagt er. Dass die Betroffenen mitunter etwas ungepflegt wirken und öffentlich Alkohol konsumieren, empfindet Osmani als geschäftsschädigend: "Da vergeht meinen Kunden doch der Appetit." In den viereinhalb Monaten, die er den Kiosk erst betreibt, habe er bereits viermal die Polizei rufen müssen. Die Gruppe habe geschlossen bei ihm Hausverbot.

Pastor Christian Klatt kann verstehen, dass gerade an diesem zentralen Platz in der Stadt eine solche Gruppe von vielen als störend und unangenehm wahrgenommen werde. Aber: "Die Frage ist doch, wohin mit den Menschen", so Klatt. Sie müssten einen Platz in der Stadt haben. Ihnen die Dreckecke in die Schuhe zu schieben, halte er für schwierig. "Da halten sich auch noch andere Leute auf, die Müll in die Ecken werfen", ist sich der Pastor sicher.

Reinhard Wolff, Vize-Vorsitzender der Springer Tafel, hält das Vorhaben der Stadt für nicht verhältnismäßig: "Wir müssen uns alle bewusst sein, dass das Problem nur verschoben wird." Es müssten Alternativen für die Betroffenen geboten werden.

Dem kann Pastor i. R. Dieter Wittenborn, ebenfalls im Vorstand der Tafel, nur zustimmen. "Wir können sie nicht einfach aus unserer Gesellschaft rausdrücken." Auch Wittenborn ist davon überzeugt, dass das Dreckproblem nicht auf die Gruppe zu schieben ist: "Das sind nicht die Müllmännern." Auch habe er sie immer als sehr friedlich und freundlich kennengelernt. Die Betroffenen können die Vorwürfe der Stadt nicht nachvollziehen. Karl-Heinz Seland, der seine Vormittage an der Fünfhausenstraße verbringt, beschuldigt Jugendliche, dort ihren Müll hin zu schmeißen und die Wände am Kiosk zu beschmieren.

Dirk Jansen, der sich jeden Tag mit Freunden an der Bushaltestelle trifft, behauptet sogar: "Wir machen hier morgens immer sauber." Er fühle sich durch die Vorhaben der Stadt und die Feindseligkeit des Kioskbesitzers diskriminiert, schimpft er. Einige Geschäftsleute in der Nachbarschaft bestätigten, dass Jansen immer wieder gesehen wird, wie er mit einem Besen am Busstopp sauber macht.

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