Zum Tafel-Standort.

03.06.2008 17:07

© Neue Deister-Zeitung.
Tafel weicht auf Bohnstraße aus
Warteschlange wird umgeleitet / Kritik macht SPD "betroffen"

Springe (mari). Der Trägerverein der Springer Tafel reagiert auf die Kritik benachbarter Geschäfte. Die Wartenden sollen bei der morgigen Essensausgabe nicht mehr in der Straße am Niederntor stehen, sondern sollen sich in der Bohn straße aufstellen.

Die ehrenamtlichen Helfer werden die Bedürftigen dann in Gruppen ins Geschäft bitten, kündigt Vorsitzender Uwe Lampe an. Die Beschwerden hätten ihn erstaunt, "denn der Standort der Tafel steht seit langem fest". Er wünsche sich eine sachliche Diskussion. "Der Vorstand möchte nicht in eine Position kommen, in der wir uns für den Standort der Tafel rechtfertigen müssen."

Auch der Arbeitskreis Soziales der SPD zeigt sich "betroffen" von den Reaktionen. Der Unmut bereits am erstenÖffnungstag sei unverständlich, so Sprecherin Katrin Kreipe. "Mit Äußerungen, dass der Standort schlecht gewählt sei, diffamiert man die Springer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die auf die Tafel angewiesen sind. So geht man nicht mit Menschen um."

Die Tafel sei eine wichtige neue Einrichtung und der Standort wegen seiner zentralen Lage genau richtig. Kreipe: "Es gibt unter den Bedürftigen Ältere und Kranke, die weite Wege nicht mehr zurücklegen können."

Beschweren dürfe man sich nicht über das "Wo" der Tafel, sondern viel mehr über das "Warum". In einem wohlhabenden Land müsse sich jeder seinen Wocheneinkauf leisten können. "Darunter leidet die gesamte Gesellschaft - und nicht nur Nachbarn der Tafel."

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HAZ-03.06.08
SPD: Standort der Tafel ist genau richtig (VON SUSANNEWALLENTIN)
Der Arbeitskreis Soziales ist betroffen über den Unmut der Kaufleute nach der Eröffnung des Ladens für Bedürftige

Der Arbeitskreis Soziales der Springer SPD hat sich jetzt zu den negativen Reaktionen der Geschäfte bei der Eröffnung der Springer Tafel geäußert. Mit ihrem Unmut über den zentralen Standort der Lebensmittelausgabe in der Innenstadt diffamierten die Kaufleute die Kunden der Tafel.

SPRINGE. „So geht man nicht mit Menschen um." Das betonte gestern Arbeitskreis-Sprecherin Katrin Kreipe. Ähnlich sieht es auch Springes Bürgermeister Jorg-Roger Mische. Er werde es nicht zulassen, dass Springes Bürger in zwei Klassen eingeteilt würden. Bei der Eröffnung des Tafel-Ladens am vergangenen Mittwoch hatten zahlreiche angrenzende Geschäftsleute ihren Unmut zu dem zentralen Standort am Niederntor geäußert.

Der Tafel-Vereinsvorsitzende Uwe Lampe sagte, ihn habe ein benachbarter Wirt angesprochen, weil die Schlange von 80 bis 100 Tafel-Besuchern bis vor sein Lokal reichte und ihm so die Kunden vertrieb. Lampe sagte, auf der einen Seite könne er zwar nachvollziehen, dass man sich durch die vielen Menschen gestört fühlen könnte, auf der anderen Seite gebe es aber keinen besseren Standort. Die Räume am Niederntor 15 seien für den Verein nicht nur bezahlbar, sondern so zentral gelegen, dass die Bedürftigen sie auch mit dem Fahrrad, zu Fuß oder aus den Stadtteilen auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichen könnten. Darüber hinaus sei die Tafel ein Geschäft wie jedes andere auch. „Auch unsere Kunden müssen für ihren Einkauf zahlen, nur eben weniger", sagte der Vereinschef. Bürgermeister Hische gab zu bedenken, die Tafelnutzer seien auch potenzielle Kunden für andere Geschäfte.
Dass der Standort für die Tafel zudem schon seit langem bekannt war und sich im Vorfeld niemand beklagt hat, macht die Kritik der Kaufleute auch für den SPD-Arbeitskreis noch unverständlicher.

Der Andrang beim ersten Tag habe zudem gezeigt, wie wichtig die Tafel sei, sagte Kreipe. Einen reibungslosen Ablauf wünschen sich Stadt und Verein aber dennoch. Lampe sagte, er wolle die Schlange bei der nächsten Ausgabe auf die Bohnstraße lenken, weil dort weniger Geschäfte seien. Hisches Überlegung, die Kunden zeitlich versetzt kommen zu lassen, um Schlangen zu vermeiden, sieht Lampe eher kritisch. Damit hätten schon andere Tafeln schlechte Erfahrungen gemacht, sagte er.
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© Neue Deister-Zeitung, 30.05.2008
S p r i n g e "Der falsche Standort - für alle Beteiligten"

Nachbarn der Springer Tafel machen ihrem Unmut Luft / Bürgermeister hat dafür kein Verständnis

Springe (kata/liro). Hunderte Springer warteten stundenlang am Mittwoch bei der Eröffnung der Tafel am Niederntor, um Lebensmittel zu bekommen. Während sich das Tafel-Team über die große Resonanz freut (NDZ berichtete), macht sich in den benachbarten Geschäften der Unmut über die Ausgabestelle in der Innenstadt breit.

"So etwas ist nicht schön in der Fußgängerzone", sagt Schlecker-Verkäuferin Marion Rögner. Fast alle Kunden hätten sich negativ geäußert, erzählt sie. "Das gehört einfach nicht in eine Einkaufsstraße."

Auch Brunhild Kumlehn, Chefin des gleichnamigen Cafés, gibt zu verstehen, dass sie der Tafel kritisch gegenüber stehe. Vor allem störe sie der Standort. "Ich bin nicht gerade begeistert, den Laden direkt in der Nachbarschaft zu haben." Sie hoffe, dass sich die Lage entspannt, wenn die Schlange über die Bohnstraße gelenkt wird.

Dieser Vorschlag war am Mittwoch aufgekommen, nachdem sich Dimitrios Chatzigiannakidis, Inhaber der Gaststätte "Saloniki", über die Wartenden beschwert hatte, die direkt vor seinem Lokal standen. Durch die Tafel-Kunden sei sein Mittagsgeschäft gefährdet, befürchtet der Wirt.

Die Mitarbeiter des Süßen Kaufhauses würden eine ganz andere Lösung vorziehen. Der Süßigkeiten-Laden teilt sich mit der Tafel einen Eingang. "Das ist der falsche Standort - für alle Beteiligten." Für die Bedürftigen sei es eine Zumutung, vor einer Konfiserie warten zu müssen, und für die Kaufhauskunden nichtangenehm, sich beobachtet zu fühlen. Selbst bei der Bohnstraßen-Variante würde sich kaum etwas ändern.

Nach der Essensausgabe sei die Straße voller Zigarettenkippen gewesen, will eine Verkäuferin beobachtet haben. Die Tafel-Helfer hätten hinterher fegen müssen. Gudrun Scholz vom Bastelladen schräg gegenüber glaubt, dass die Innenstadt auch für die Bedürftigen nicht der richtige Platz sei. "Es ist sicher nicht angenehm, von allen gesehen zu werden."

Bürgermeister Jörg-Roger Hische hat keinerlei Verständnis für den Ärger der Tafel-Nachbarn. "Das ist ein guter Standort", betont er. "Das sind unsere Mitbürger - und die Innenstadt ist für alle da", so der Verwaltungschef.

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© Neue Deister-Zeitung, 29.05.2008  Springe (liro/kata).
250 Bedürftige am ersten Tag / Gastwirt beschwert sich: Wartende blockieren Zugang zum Restaurant Als die Helfer gestern um 14 Uhr erstmals zur Essensausgabe die Türen des Tafel-Ladens öffneten, hatte sich dort bereits eine lange Schlange gebildet. Hunderte Menschen wollten Lebensmittel abholen. Der erfolgreiche Auftakt der Initiative wurde allerdings von einem Zwischenfall überschattet. Ein benachbarter Gastwirt, der sich von den unmittelbar vor seiner Tür Wartenden gestört fühlte, ging lautstark auf die Barrikaden und rief die Polizei.


(Vor dem Tafel-Laden am Niederntor bildete sich bereits zwei Stunden vor der Eröffnung um 14 Uhr eine lange Schlange. Die Wartenden standen zeitweise bis zum Café Kumlehn und dem "Kiek mol in". Foto: liro)

Die ersten Tafel-Kunden hatten sich bereits um 12 Uhr angestellt. "Fast alle, die sich registriert haben, sind auch gekommen", bilanzierte Vorsitzender Uwe Lampe. 250 Bedürftige konnten nach seinen Angaben versorgt werden.

Gestern gab es die Waren noch umsonst. Eine Ausnahme, wie Lampe betonte, "weil wir noch nicht genügend Lebensmittel haben, um die Einkaufskörbe richtig voll zu machen." Am ersten Tag habe niemand leer ausgehen sollen. Auf Dauer rechnet Lampe mit einem Andrang von rund 400 Personen. Die Betroffenen selbst zeigten sich froh über die neue Einrichtung. Eine junge Mutter meinte: "Man sieht ja, wie gut das angenommen wird."

Am Rande des Geschehens eskalierte derweil ein Streit: Weil die Schlange genau vor seinem Restaurant "Saloniki" vorbeiführte, beklagte Inhaber Dimitrios Chatzigiannakidis ausbleibende Mittagstisch-Gäste. Eine Reihe von Kunden habe sich gestört gefühlt und sein Lokal nach einer Beschwerde ohne zu essen wieder verlassen. Chatzigiannakidis hat Tafel-Chef Lampe nach eigener Darstellung dazu bewegen wollen, die Wartereihe in die andere Richtung zu verlegen, worauf Lampe aber nicht eingegangen sei, so der Wirt. Er habe mit seinem Lieferwagen auch nicht mehr aus der Ausfahrt fahren können, weil die Tafel-Kunden keinen Platz gemacht hätten. Er rief daraufhin die Polizei an, die wiederum das Ordnungsamt verständigte.

Man wolle nun ab nächster Woche versuchen, die Kunden von der anderen Seite aus und entlang der Bohnstraße anstehen zu lassen, sagte der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Karsten Kohlmeyer. Er sei zuversichtlich, dass sich alles einspielen wird. Auch die Polizei teilte mit, sich die Situation nächste Woche anschauen zu wollen.

Morgenöffnet die Tafel zusätzlich, um von 11 bis 12.30 Uhr weitere Registrierungen vorzunehmen. Lebensmittel werden mittwochs von 14 bis 17 Uhr verteilt.

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